Liebe Christen,

wenn ich mir zurzeit die Aktivitäten unserer Landwirte ansehe, die gerade die Ernte einfahren, komme ich aus dem Staunen nicht heraus. Große Maschinen - Trecker, Anhänger und spezielle Erntemaschinen - fahren über unsere Straßen und bearbeiten riesengroße Felder. Unmengen an Mais werden als Futter gelagert. Die runden Heuballen kann man von Hand nicht mehr bewegen. In meiner Kindheit habe ich das noch ganz anders erlebt. Und in den Kinderbüchern meiner Enkelkinder wird die Ernte und die gesamte Landwirtschaft so dargestellt, wie sie schon lange nicht mehr ist. Aber ich persönlich liebe diese moderne Technik. Ich bewundere gemeinsam mit meinen Enkeln diese Vorstellung von Können und Effizienz zur Erntezeit, insbesondere wenn mehrere Fahrzeuge und Maschinen zusammenarbeiten. Manchmal frage ich mich, wann auch die letzten Menschen im Führerhaus durch Robotertechnik ersetzt werden.

Von der Weiterverarbeitung zu fertigen Lebensmitteln bekommen wir auch nichts mehr mit, wenn wir nicht gerade in den speziellen Betrieben beschäftigt sind. Wir freuen uns am Anblick von losem Obst und Gemüse auf den Wochenmärkten, im Hofladen von Frau Schulte oder bei Edeka und REWE. Wir fühlen uns dann der Natur ganz nahe, insbesondere wenn es sich um regionale Produkte handelt. Aber wir akzeptieren auch viele weiter verarbeitete Lebensmittel in Dosen, Gläsern und anderen phantasievoll dekorierten Verpackungen. Denn es ist ja alles so angenehm und bequem. Hauptsache wir bekommen sie immer, wenn uns danach ist. Der ganze Prozess ist gut durchorganisiert und Hunger gelitten haben wir - bis auf vielleicht die ganz Alten - noch nie.

Wozu feiern wir also Erntedank? Wir haben doch alles im Griff. Was hat denn der liebe Gott damit zu tun, dem wir vor allem danken? Wenn irgendwo ein Problem sich zeigt wie Überdüngung des Grundwassers, Rückgang der Insekten oder Klimaveränderungen, sind wir es doch, die daran arbeiten müssen und nicht der liebe Gott.

Die heutige Lesung aus dem Buch Genesis erinnert jedoch an die Anfänge, die Basis unseres Lebens. Auch wenn die Verfasser des Alten Testamentes noch nicht unsere naturwissenschaftlichen Kenntnisse besaßen, zeigen Sie uns mit ihren plastischen Bildern von der Erschaffung der Welt mitsamt dem Menschen sowie mit der folgenden Erzählung von Adam und Eva im Paradies den Wesenskern und die Grundlage unserer Existenz auf. Gott ist der Ursprung allen Seins.Er ist der Urheber von Energie, Materie und Naturgesetzen. Wir entdecken diese immer mehr und nutzen unsere Erkenntnisse, um unser Leben zu verbessern und Schaden von uns abzuwenden. Wir haben aber kein einziges seiner Gesetze verbessert, außer Kraft gesetzt oder gar neu geschaffen. Unser Verstand, der im Übrigen auch von Gott stammt, sagt uns, dass dies auch nie möglich sein wird. Wir werden immer auf unseren Schöpfer angewiesen sein. 

Wir haben eben nicht alles im Griff, auch wenn wir meinen, in einigen Bereichen schon richtig gut zu sein. Wir haben unseren Wohlstand auf Basis fossiler Energie geschaffen. In den 1970er Jahren hatten wir Angst, dass nicht genug davon da ist. Heute wissen wir, dass wir mit deren Abgasen die Lebensgrundlagen unseres Planeten gefährden. Die Corona Pandemie krempelt das Leben der ganzen Welt um. Das Ahrtal wurde vor kurzem vor unvorhergesehenen und bis dahin unvorstellbare Wassermassen durchspült. Vor wenigen Tagen führte ein Tornado in Kiel zu - Gott sei Dank - eher geringen Schäden. Hurrikans und Taifune gibt es aber regelmäßig in der Karibik und SO-Asien. Durch Dürre und Heuschrecken bedingte Hungersnöte, die nicht auf Krieg, Unruhen und staatlichen Bankerott zurückzuführen sind, können wir zurzeit in Kenia besichtigen.

Und da behaupte einer: „Wir haben alles im Griff. Auf den lieben Gott sind wir nicht angewiesen. Gebete sind bestenfalls Beruhigungspillen für die Beter.

Das gefährlichste, weil unberechenbarste Übel ist jedoch die Unfähigkeit und die Hybris von uns Menschen. Manchmal sind wir nur von Dummheit befallen wie von einer Krankheit. Oft genug aber steckt in uns auch ein böser Wille, angetrieben von dem, den wir früher und manchmal auch heute noch den Teufel nennen. Man schaue nur auf Amokläufe, Missbrauch von Kindern und ungezählte andere Straftaten.Diese Hybris, getrieben von dem Wunsch wie Gott zu sein, hat die Schöpfungsgeschichte in einer nachfolgenden Episode unserer Lesung mit der Vertreibung aus dem Paradies vorgezeichnet. Adam und Eva setzen ihre paradiesischen Zustände bewusst und gewollt aufs Spiel, um dann in einer Realität zu landen, mit der die Menschheit sich bis heute abmüht, ohne die paradiesischen Zustände jemals hier auf Erden wieder erreichen zu können.

Da glaube ich, dass Erntedank - aber auch die vorhergehende Bitte an Gott um Gelingen und seinen Segen –heute angebracht ist wie eh und je. Und das nicht nur für die Bereiche der Landwirtschaft, die unsere lebensnotwendigsten Bedürfnisse befriedigt, sondern auch für alle anderen Bereiche unserer Arbeit, die für uns ebenfalls noch wichtig sind. Lassen Sie uns davon unseren Kindern und Enkeln immer wieder neu erzählen und nicht nur am Erntedankfest. Amen.

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St. Urbanus: Samstags, 17:30 Uhr

St. Urbanus: Sonntags, 11:00 Uhr


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St. Laurentius: Sonntags, 9:30 Uhr

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